Zahnerkrankungen

Symptome

Es existieren verschiedene Anzeichen, die auf eine Zahn- oder Kiefererkrankung hindeuten können. Treten alle oder aber auch nur einzelne davon auf, so sollte man sein Tier sehr genau beobachten und das Chinchilla bei Verdacht dem Tierarzt vorstellen.

Mögliche Symptome können sein:

  • tränende(s) Auge(n)
  • Gewichtsabnahme - auch trotz scheinbarer Futteraufnahme
  • Futterverweigerung
  • auffällige, untypische Futteraufnahme (Bröseln, beim Kauen Zunge rausstrecken, niesen, mit dem Pfötchen am Mäulchen reiben etc.)
  • Vermeidung harter Futtermittel und solcher, die man lange zermahlen muss (Mandeln, dickere Heuhalme etc.)
  • Präferenz weicher Futtermittel (Kerne, zarte Kräuter, frisches Obst und Gemüse etc.)
  • Anzeichen von Schmerzen v.a. beim Fressen, aber auch außerhalb
  • Sabbern; feuchte Stellen ums Mäulchen, später auch am Bauch
  • Kopfschiefhaltung beim Fressen
  • Apathie oder/und Aggression
  • Durchfall, Aufgasung, Verstopfung

Um abzuklären, ob ein Chinchilla an einer Zahnerkrankung leidet, sollte es einem Tierarzt vorgestellt werden, der sich mit Zahnkrankheiten bei Nagern und Kaninchen auskennt. Der erste Schritt des Arztes wird es sein, dem Tier ins Maul zu schauen. Hier kann er bereits mögliche Auffälligkeiten erkennen, doch Vorsicht: Zahnprobleme können so nicht ausgeschlossen werden! Eine sichere Diagnostik erfolgt ausschließlich mithilfe von Röntgenbildern des Kopfes/ des Kiefers und der Zähne. Nur in Ausnahmefällen bedarf es einer Narkose, um Röntgenbilder anzufertigen; ein erfahrener Arzt macht sie rasch ohne. Anhand der Bilder kann der Tierarzt anschließend Genaueres feststellen: zu lange Backenzähne oder Schneidezähne, Überbiss, Abszesse, sich auflösende Strukturen, lockere Zähne, Entzündungen, abgestorbene Zähne, Arthrose, Karies, etc.)

 

TIPP: Hier einige Röntgenbilder, die veranschaulichen sollen, wie ein gesundes und wie ein pathologisches Chinchilla-Gebiss aussehen kann: www.chinchillavermittlung.com/t4387-rontgenbilder-vom-gesunden-und-kranken-chinchilla-kiefer-chinchilla-schadel-chinchilla-zahnen

 

 

Entstehung und Therapie

Primäre Malokklusion und Zahnerkrankungen

Von einer primären Zahnerkrankung spricht man bei einer angeborenen bzw. genetisch bedingten Zahn-/Kieferanomalie. Diese kommt in aller Regel bereits in den ersten Lebensmonaten zum Vorschein (meist erstmal nur auf Röntgenbildern erkennbar). Da die meisten "Züchter" und Vermehrer ihre Zuchtlinien nicht über Generationen hinweg begleiten und beobachten und das Gebiss ihrer Stammtiere nicht röntgen lassen,
um zahnauffällige Tiere aus der Zucht zu nehmen, ist dies die meist auftretende Form der Zahnanomalie. Laut Aussage meiner chinchilla- und zahnsanierungserfahrenen Tierärztin weisen die meisten in ihrer Klinik vorgestellten Chins Zahnanomalien auf, egal aus welchem Grunde sie zur Behandlung in die Praxis kamen.

Betroffene Tiere können nicht genesen, sie können aber noch Monate bis Jahre leben, wenn eine bedarfsorientierte Behandlung erfolgt. Diese besteht in den meisten Fällen aus: regelmäßigen Zahnkorrekturen (jede 4 Wochen bis zu 1-2x jährlich je nach Bedarf, i.d.R. kann man mithilfe bedarfsgerechter Ernährung und Behandlung die Zeitspanne zwischen den Korrekturen ausdehnen), Verabreichung von Schmerzmitteln (Metacam) nach Bedarf und der Gabe eines knochengängigem Antibiotikums als Kur und nach Bedarf. Dieses sollte z.B. bewirken, dass die Zähne und Knochen wieder fest werden, Entzündungen weggehen etc. Je nach Diagnose kann es notwendig sein, ein oder mehrere Zähne zu ziehen. Eine Optimierung des Futters ist wichtig: Zahnabrieb beim Chinchilla

 

INFO: Das Kürzen bzw. Abschleifen der Backenzähne kann auch ohne Narkose erfolgen. Insbesondere wenn die Tiere herzkrank oder stark geschwächt sind, ist dies dringend anzuraten. Die Narkose bringt ein zusätzliches Risiko. Jedoch korrigieren nur wenige Tierärzte narkoselos die Zähne. Sehr ängstliche oder zappelige Tiere sollten möglicherweise besser in leichte Narkose gelegt werden, wobei meine Ärztin auch mit den unruhigsten Chins keinerlei Probleme bei ihrer Arbeit hatte.

gesundes Chinchilla-Gebiss

 

Sekundäre Malokklusion und Zahnerkrankungen

Sekundär ist eine Zahn- bzw. Kiefererkrankung, wenn sie nicht angeboren, sondern durch Fremdeinwirkung zustande kommt; sie kann in jedem Alter auftauchen, also auch erst nach Jahren. Die Ursache kann zum einen falsche Ernährung sein, bei der die Zähne so nicht genügend abgenutzt werden oder bei der die Tiere als Jungtiere im Wachstum nicht bedarfsgerecht ernährt werden, und zum anderen ein Trauma (Schädigung, die durch Gewalt von außen entsteht), bei dem der Kieferknochen oder der Zahn beschädigt, z.B. (an)gebrochen, wurde. Bei einigen Tieren, die ein Trauma erlebt haben, reicht eine einmalige Zahnbehandlung aus oder aber zeitlich begrenzte Korrekturen oder welche in größeren Abständen. Andere Tiere müssen regelmäßig oder nach Bedarf zum Zähneschleifen erscheinen. Eine Optimierung des Futters ist in jedem Fall wichtig: Zahnabrieb beim Chinchilla

Auch im Alter kann es zur sekundären Zahn- und Kiefererkrankungen kommen z.B. zur Arthrose im Kiefergelenk. Eine Behandlung besteht aus der Gabe von Metacam und/oder RodiCare Artrin.

 

ACHTUNG: Leider können viele Tierärzte immernoch keine vernünftigen Röntgenbilder machen, geschweige denn welche lesen bzw. richtig deuten!