Mythos Stopfdarm und Stopfmagen beim Chinchilla

Die Begriffe "Stopfmagen" oder "Stopfdarm" sind in der Fachliteratur nicht verzeichnet. Sie wurden aufgrund des Mythos, dass Chinchillas unbedingt immer ständig was fressen müssten, beschrieben und manifestierte sich dadurch in Chinchilla- bzw. Kleintierkreisen.

Bsp.:

Da der Magen selbst nur in geringem Umfang bemuskelt ist, erfolgt der Weitertransport aus dem Magen in den Dünndarm auch durch den Druck des neuaufgenommenen Futters. - Schlolaut: Das große Buch vom Kaninchen. [Hervorhebung nicht im Original]

 

Aus "auch" wurde mit der Zeit ein "nur" und es wurde verbreitet, dass Chinchillas und andere Kleintiere zwingend 24h am Tag Futter zu sich nehmen müssen, sonst würde die gesamte Verdauung zum Erliegen oder es würde zu Gärungen kommen und das Tier schlimmstenfalls sterben. Das ist jedoch falsch.

Der Weitertransport des Futtebreis wird insgesamt folgenden Aspekten zu Grunde gelegt:

  • Peristaltik (wellenartige Muskelbewegung des Magen-Darm-Traktes. Anm.: Auch Nager und Kaninchen haben trotz anderen Gerüchten eine Peristaltik, die jedoch weniger ausgeprägt ist als beim Menschen oder Alles-/Fleischfressern)
  • Bewegung (Käfiggröße, Auslauf, ...)
  • nachkommendem Futterbrei (auch, nicht nur!)
  • Schwerkraft
  • Art des Futters
  • physische und psychische Verfassung

Ein Chinchilla sollte zwar immer Futter zur Verfügung haben, v.a. auch stets rohfaserreiches wie Gräser und Kräuter, jedoch können die Tiere dennoch Fresspausen einlegen z.B. bei Krankheit. Es reicht hier aus, wenn sie sehr kleine Mengen an Futter zu sich nehmen, um die Verdauung in Gang zu halten, eine Zeit lang können sie auch ganz ohne Nachschub auskommen.

Anm.: Da Chinchillas aufgrund des schwach bemuskelten Magens nicht erbrechen können, sollten sie vor einer Narkose nicht nüchtern/ausgehungert sein, sondern zuvor wie gewohnt ernährt worden sein, damit sie nach der OP genug Energie/ Kraft haben und der Kreislauf schneller in Schwung kommt.