Überblick: Merkmale einer seriösen Hobbyzucht

...und eines seriösen Liebhaberhalters

Leider darf sich jeder seriöser und liebevoller Hobbyzüchter nennen, doch nicht viele sind dies tatsächlich. Es gibt viele Schwarze Schafe und Vermehrer im Chinchillazuchtduschgel. Vor der Anschafung sollte sich daher jeder genauer mit Merkmalen einer guten Zucht beschäftigen und seinen Züchter mit Bedacht auswählen.

Folgende Merkmale machen einen guten Züchter aus:


Allgemeines, Vorbildfunktion & Co.

  • Er achtet penibel auf die Herkunft, den Gesundheitszustand und das Wesen seiner Zuchttiere
  • Er hält seine Tiere in Käfigen, die nicht nur dem Züchterstandard entsprechen, sondern die offiziellen dt. Mindestmaße von min 1 Quadratmeter (BxT) x 1 m Höhe  erfüllen oder besser noch mehr (schließlich fungiert er als Vorbild)
  • Die Käfige sind artgerecht eingerichtet, nicht nur mit Haus + Sandbad, sondern inkl. Nagemöglichkeiten und genügend Beschäftigung
  • Er ernährt seine Tiere nicht nur mit Pellets, Heu und Wasser, sondern bietet zumindest noch Trockenkräuter und Zweige an, besser zusätzlich Frisches und Saaten
  • Er versorgt seine Tiere tierärztlich, Tag & Nacht und unabhängig von den Kosten; um Krankheiten oder Geburtsprobleme zu erkennen, werden die Tiere täglich in Augenschein genommen und nie lange ohne kompetenten Pflegeersatz allein gelassen
  • Er hat genügend Geld, Platz und Zeit für sein verantwortungsvolles "Hobby" ohne jede Einschränkung und ohne Ausreden
  • Er kennt die Tiere, die er kauft, hält und verkauft, und kann die Stärken und Schwächen des Chinchillas vorstellen, sowohl bezüglich des Charakters als auch der sonstigen Qualität des Tieres

Aufklärung, Abgabe und Vermittlung

  • Er steht Haltern (Interessenten/Käfufern aber auch fremden Haltern) mit Rat und Tat zur Seite und berät diese gerne
  • Er klärt Interessenten über mögliche Probleme von z.B. Großgruppen oder das Aufnemen von Jungtieren auf (Stichwort Pubertätsprobleme und Gruppenzerwürfnisse) sowie über Vorteile von bereits bestehenden Gruppen und adulten Tieren
  • Er verkauft keine tragenden oder kranken Chinchillas und keine (unkastrierten) Pärchen an Anfänger
  • Er versendet keine Chinchillas, schon gar nicht kranke oder trächtige Tiere
  • Er lernt den Chinchilla-Interessenten kennen, erkundigt sich nach seinem Wissen zu den Tieren und gibt seine Chins nicht an jeden ab; er interessiert sich soweit es möglich ist auch, was mit den Tieren nach dem Auszug passiert und wie es ihnen ergeht
  • Potenzielle Käufer dürften sich jederzeit den Zuchtraum, die Käfige, Tiere etc. ansehen - der Züchter hat nichts zu verstecken
  • Er nimmt seine verkauften Tiere bei Notwendigkeit jederzeit zurück
  • Er erkundigt sich vor dem Kauf, ob die gekauften Tiere als Zuchttiere oder Liebhabertiere fungieren sollen und berät und verkauft dementsprechend
  • Er verscherbelt Standards, beige Chins und andere, auf denen er sitzen bleibt, nicht an x-beliebige Personen oder vergibt sie an Pelzer oder Zoohandlungen (ja das gibts...)

Wissen, Erfahrung & Co.

  • Er hat Ahnung von Outcrossing, Inzucht, Linienzucht und weiteren Zuchtmethoden und kann mir erklären, welche Vor- und Nachteile diese Zuchtmethoden haben und weshalb er genau die Methode wählt, die er wählt
  • Er achtet auf adäquate Selektion der Tiere und sortiert kranke, schwache, zu kleine, dünne, verhaltensgestörte etc. Weibchen und Böckchen aus der Zucht aus
  • Er hat sich nur eine oder zumindest sehr wenige Mutationsfarben spezialisiert und züchtet diese gezielt um ihre Qualität zu verbessern; er verpaart also keine wilden Mischungen von diesem und jenem Farbschlag miteinander, hauptsache es kommt was "Buntes" dabei raus
  • Er hat nicht nur einen ausreichenden Überblick zu Anatomie, chinchillagerechten Haltung, Ernährung, Gesundheiten/Krankheiten, Verhalten und v.a. Genetik, sondern ist in diesen Bereichen belesen, interessiert und bildet sich stets weiter
  • Er hält diese Tierart schon lange (hat also Haltererfahrung), nicht erst seit 3 Jahren, und hat sich mit ihr intensiv beschäftigt (kennt ihre Verhaltensweisen etc.)
  • Er führt genau Buch über Zu- und Abgänge, Krankheiten, Würfe, Gewichte, Entwicklung der Würfe etc. und läßt einen in diesen Aufzeichnungen "schmökern"
  • Ich kann mir die Eltern und Verwandten jederzeit anschauen und der Züchter kann mir genau sagen, weshalb er genau diese Tiere miteinander verpaart hat oder auch nicht
  • Er gönnt seinen Zuchtweibchen regelmäßige Trächtigkeitspausen, lässt sie im entsprechendem Alter das erste und letzte Mal decken
  • Er setzt die Chinchillas nicht ständig um
  • Er gibt seinen Nachwuchs erst ab, wenn dieser körperlich und psychisch weit genug entwickelt und sozialisiert ist (ab einem Mindestgewicht von 250g & einem Mindestalter von 12 Wochen)


weiterführende Links

Seriöser Liebhaberhalter?!

Doch auch seriöse Hobbyzüchter (und andere Chinvermittler wie Pflegestellen) haben es nicht immer einfach, einen passenden Abnehmer für ihre Tiere zu finden. Daher soll hier auch aufgeführt werden, was diese Personen sich ihrerseits von "einem seriösen Liebhaber-Halter" wünschen:

(c) www.chinmoppels.de :

  • Der seriöse Liebhaber nimmt die Aufnahme eines neuen Haustieres in Form eines Chinchillas für so wichtig, dass er es schafft, eine vollständig ausformulierte Anfrage zu schreiben und nicht nur etwa:"Was kostet bei Ihnen ein ganz schwarzes Chinchilla?"
  • Er nimmt sich die Zeit dazu, sich selbst Informationen rund um's Chinchilla zu beschaffen und stellt gern offen gebliebene Fragen. Stichwort: vorausschauend mitdenken und nicht erst mal irgendwo her Chinchillas besorgen und im Nachhinein Fragen zur Haltung stellen.[1]
  • Im Idealfall sucht er nicht nur "[...] zwei Chinchillas. Eins sollte schwarz sein und das andere gescheckt. Andere Farben kommen für mich nicht in Frage", sondern Tiere, die charakterlich zueinander passen.
  • Er ist sich darüber im Klaren, dass Chinchillas auch mal zum Tierarzt müssen und fällt nicht aus allen Wolken, wenn eine Tierarztrechnung mal 100€ oder mehr kostet. Dass eine Rechnung beim TA diesen Preis erreicht, kann nämlich sehr schnell gehen.
  • Im Voraus wird geklärt, wer die Tiere in der Urlaubszeit versorgen kann. Zwei Tage vor Urlaubsantritt beim Züchter anzurufen und zu fragen, ob man die Tiere nicht mal eben zwei Wochen lang beherbergen könne, ist nicht der richtige Weg. Noch weniger richtig sind selbstverständlich Abgabe ins Tierheim oder schlimmeres...
  • Als seriöser Liebhaber fängt man nicht plötzlich doch an, einen potenten Bock zu Weibchen zu verpaaren, weil man "doch nur einmal einen Wurf aufwachsen sehen will".
  • Wenn das Chinchilla dringend eine medizinische Versorgung benötigt, geht man nicht erst auf Facebook und fragt, was dies und jenes sein könnte, sondern konsultiert einen fähigen Tierarzt. Dies ganz besonders im Akutfall!!!
  • Man hat sich genügend Wissen angeeignet, dass man aus der Verantwortung heraus ein Gespür dafür entwickelt, wie man mit Ratschlägen à la "probier dies, tu das" umgehen sollte. Schließlich gibt es in der Tierhaltung keine Patentrezepte und man muss selbst für das, was man tut, Verantwortung übernehmen können. Gleichzeitig muss man von unterschiedlichen Ratschlägen das herausfiltern können, was einem für die eigenen Tiere "am Richtigsten" erscheint.

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[1] idealerweise gibt auch niemand Tiere ab an Menschen, die sich noch überhaupt nicht mit der Haltung der Tierart auseinander gesetzt haben.