Nüsse für Chinchillas

(c) Lea Sch.

Mythos

Hier möchte ich auf den Mythos ungesunde Nüsse eingehen. Man liest immer wieder, dass Nüsse angeblich für Leberschäden, Diabetes und andere Erkrankungen verantwortlich seien. Sowieso seien Nüsse viel zu fetthaltig und würden unsere Chinchillas nachhaltig schädigen.

Das dem nicht so ist, ist ganz einfach mit der Struktur von essentiellen Fettsäuren zu erklären. Dazu unten mehr.

Ich habe dieses Jahr selber ein Chinchilla mit einem Leberschaden aufgenommen. Emma bekommt täglich ganz bewusst Nüsse als Leckerchen und im täglichen Speiseplan sind Ölsaaten so viel sie will enthalten. Sie hat trotz oder auch genau wegen der essentiellen Fettsäuren abgenommen, so dass es ihr jetzt deutlich besser geht. Weiter ist noch zu erwähnen, dass all meine Tiere normalgewichtig, bzw. im Gegensatz zu manch pelleternährten Chinchillas, die keine Nüsse bekommen, rank und schlank sind.

Natürlich stellen Nüsse nur einen kleinen, jedoch wichtigen Teil der Chinchillernährung dar. Nüsse sind ein Kraftfutter und energiehaltig, deswegen sollten sie neben Rau- und Grünfutter sowie frischem Gemüse und Obst nur als Beifutter oder Leckerchen gegeben werden. Nüsse zählen zu den sogenannten Ölsaaten, die allesamt über wertvolle essentielle Fettsäuren verfügen und im Gegensatz zu Mehlsämereien von Chinchillas sehr gut vertragen werden.

Gesund: mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Nüsse enthalten viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren oder auch essentielle Fettsäuren (Omega 3- und Omega 6 Fettsäuren) haben folgende Aufgaben:

  • Fördern Muskelaufbau, verhindern Muskelabbau
  • Stärken das Immunsystem und wirken antientzündlich
  • Senken den Blutdruck
  • Verbessern die Hirnfunktionen
  • Regulieren die Organe und Drüsen (und hier noch mal ganz speziell auf die Leber bezogen, sie regulieren die Leber und die Nieren; die Nebenniere und die Schilddrüse benötigen für ihre Funktion Omega 3) - es ist also falsch, dass der gemäßigte Verzehr von Nüssen zum Leberschaden führt
  • Fördern die Heilung, weil sie Zellwachstum, Zellteilung und die Auskleidung der Zellmembran fördern
  • Fördert das Nervensystem
  • Fördern die Verdauung (sie haben ebenfalls eine hemmende Wirkung auf Pilze, Bakterien, etc.)
  • Stärken die Knochen weil sie durch ihre Funktion die Zellmembran geschmeidig zu halten, am Transport von Mineralien beteiligt sind
  • Schützen die Erbsubstanz, und Omega 3 Fettsäuren hemmen Krebswachstum
  • Stärken Haut/Haare/Fell

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren haben mehrere chemische Doppelverbindungen und sind daher reaktionsfreudig. Sie werden bei wichtigen Bauprozessen (z.b. dem Bau neuer Zellen, für Membrane…) gebraucht/verwendet. Sie sind aufgrund ihrer chemischen Doppelverbindungen viel zu wertvoll und werden daher NICHT in Fettzellen eingelagert sondern werden für Nervenzellen, zum Schutz der Blutgefäße, für das Gehirn etc. (weitere Aufgaben siehe oben) gebraucht. Im Gegensatz dazu haben einfach gesättigte Fettsäuren nur eine Einzelverbindung, die mit Wasserstoffatmen gesättigt werden und für den Körper nur zur Energiebereitstellung zu verwerten sind bzw. übergehen in Fettpolster.

Essentielle Fettsäuren können übrigens vom Körper nicht selbst hergestellt werden und es ist daher notwendig sie über die Nahrung aufzunehmen.

Dies sind auch die Gründe, warum Nüsse trotz ihres hohen Fettgehalts beim Abnehmen sogar förderlich sind. Dazu gibt es Studien die beweisen, dass Probanden, die zwar täglich mehr Kalorien aufnehmen, jedoch in Form von essentiellen Fettsäuren (mehrfach ungesättigte Fettsäuren), weniger zu Übergewicht neigen als diejenigen die zwar insgesamt weniger Kalorien täglich zu sich nehmen, aber keine essentiellen Fettsäuren. Essentielle Fettsäuren regen den Stoffwechsel an, helfen bei der Fettverbrennung) und senken den Fettgehalt im Blut.

Und nun nochmal zum Thema Diabetes: Essentielle Fettsäuren, wie sie in Nüssen vorkommen werden bei Diabetes erkrankten empfohlen. Essentielle Fettsäuren senken den Insulinspiegel. Wie oben schon beschrieben werden essentielle Fettsäuren für die Zellmembran benötigt, sie halten die Membran geschmeidig und durchlässig, was für sämtliche Körpervorgänge unabdingbar ist. Um Kohlenhydrate zu verstoffwechseln braucht es Insulin. Das Insulin befördert die Kohlenhydrate in die Zellen. Wenn die Durchlässigkeit der Membranen aufgrund von zu wenig essentiellen Fettsäuren gestört ist braucht es immer mehr Insulin was über die Bauchspeicheldrüde produziert werden muss. Langfristig kann die Bauchspeicheldrüse das nicht mitmachen, Diabetes ist die Folge.

Studienauswertung zur Ernährung und Diabetes-Risiko: Ungesättigte Fette reduzieren das Diabetes-Risiko

"Sobald sich der Anteil der mehrfach ungesättigten Fettsäuren im oberen Drittel befand, haben die Forscher eine Risikoreduktion für gestörte Glukosetoleranz bzw. Diabetes um 50% festgestellt. Hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist eindeutig mit geringerem Risiko für gestörte Glukosetoleranz oder Diabetes verbunden. Daher ist ein Ersetzen tierischer in pflanzliche Fette zur Vorbeugung von Stoffwechselstörungen sehr zu empfehlen."
- Quelle: Gastroenterologe.de, Laaksonen DE et al.: “Serum fatty acid composition predicts development of impaired fasting glycaemia and diabetes in middle-aged men.” Diab Med 19 (2002) 456-464