Phasen und Methoden bei einer Vergesellschaftung

Phasen einer Vergesellschaftung

Eine Vergesellschaftung setzt sich fast immer aus mindestens drei (3.-5.Phase), oft auch fünf Phasen zusammen:

 

1. Erstkontakt (optional, aber anzuraten)

  • Schnuppertest

 

2. Vorbereitungsphase (optional)

Diese Phase ist v.a. anzuraten bei zerstrittenen Chinchillas, die wieder zusammengeführt werden sollen, oder bei größeren Gruppen.

Möglich hier ist eine der folgenden Methoden:

  • Käfig-an-Käfig-Methode
  • Käfgtausch- (oder Sandtausch) - Methode

 

3. Klärungs-Phase

In dieser Phasen sollen sie Tiere die Möglichkeit bekommen sich gegenseitig richtig und überall zu beschnuppern, zu besteigen und weitere erste soziale Kontakte zueinander aufzubauen und erste Rangordnung zu klären. In dieser Phase entscheidet es sich, ob die Tiere zueinanderpassen oder nicht.

In Frage kommen hierfür:

  • Transportbox-Methode
  • Meerschweinchenkäfig-Methode
  • Auslauf-Methode


4. Kennenlern-Phase

In dieser Phase soll enge Nähe schaffen geschaffen werden, die Tiere sollen zueinander Vertrauen aufbauen und "Freunde" werden. Der Halter lässt seine Tiere nicht alleine und beobachtet den Umgang miteinander gut, um notfalls adäquat eingreifen zu können.

  • Umzug in einen neutralen, nicht zu großen Käfig


z.B. in einen Meerschweinchenkäfig - diese Phase entfällt, wenn man in der 3. Vergesellschaftungs-Phase die Meerschweinchenkäfig-Methode wählt.

 

5. Stabilisierungs-Phase

Die Tiere sollen zu einer dauerhaften Gemeinschaft heranwachsen. Auch hier ist der Halter stets vor Ort und lässt die Tiere min 1 Tag und 1 Nacht nicht aus den Augen.

  • Umzug in den zuvor gereinigten Hauptkäfig
  • Umzug in den zuvor gereinigten Hauptkäfig, der aber erst einmal offen steht (d.h. + Auslauf)


alternative Vergesellschaftungs-Methoden

  • freie Partnerwahl

nicht geeignete Methoden

  • Panikbox-Methode / Kleinraum-Methode
  • Käfig-in-Käfig-Methode
  • Geruchsüberdeckungs-Methode


Erläuterungen zu den einzelnen Methoden

Auslauf-Methode

Den zu vergesellschaftenden Tieren wird ein gemeinsamer Auslauf gewährt an einem möglichst neutralen Ort, den nicht zu großflächig ist, da viel Platz Jägereien fördert, die schnell ausarten bzw ins Aggressive umkippen können und da so der Halter rechtzeitig intervenieren kann. Oft entscheidet der Augenblick des Nasen-Schnupper-Kontaktes, ob sich die Tiere riechen können oder nicht. Gegenseitiges Besteigen und Jagen, bei dem auch mal (!) kleinere Fellbüschel fliegen, ist normal und gehört zur Vergesellschaftung dazu. Wird ein Tier jedoch permanent gejagt oder gar gebissen, muss man den Versuch abbrechen und es je nach Einschätzung eine andere Vergesellschaftungsmethode wählen, die besser zu den Tieren passen könnte. Futter, Sandbad und Wasser müssen natürlich zur Verfügung gestellt werden.

Geruchsüberdeckungs-Methode «nicht empfehlenswert»

Die Tiere werden ganz oder partiell mit verschiedenen starkriechenden Dingen eingerieben wie z.B. - Parfüm - Maggie So sollen die Tiere weniger aggressiver aufeinander reagieren, da sie ähnlich riechen und sich so nicht fremd vorkommen. Diese Düfte reizen die Atemwege, Schleimhäute der Chinchillas und können schwere Allergien und Verdauungsstörungen auslösen. Zudem vergeht dieser Duft eh irgendwann und die Tiere riechen wieder nach sich. Die selbe oder eine ähnliche Funktion hat übrigens auch der erlaubte Sandbad- oder Käfigtausch. Dieses Vorgehen ist jedoch nur eine Vorbereitung und keine Vergesellschaftung an sich.

Freie-Partnerwahl-Methode

Motto: Die Tiere suchen sich den passenden Partner selber aus und nicht der Besitzer. Möchte man z.B. einem Einzeltier einen Partner schenken, so fährt man mit ihm zu einem Tierheim, Pflegestelle oder Züchter, der mehrere Einzelntiere zu vermitteln hat. Aber: Bitte nicht zu weit fahren, denn sonst ist das Tier womöglich zu gestresst und reagiert vor Ort anders auf potenzielle Partner als es es Zuhause tun würde. Nun führt man erstmal eine Schnuppertest zwischen dem eigenen und dem ausgewählten Chin durch. Fällt dieser positiv aus, so lässt man die Tiere zusammen laufen z.B. in einem Meerschweinchenkäfig, der beiden unbekannt ist. Verstehen sich die Tiere dort nicht auf Anhieb, geht man genauso erneut mit einem anderen Chin vor - solange bis das richtige Partnertier gefunden ist. Käfig-an-Käfig-Methode Zwei (oder bei mehr Tieren auch mehrere) Käfige werden nebeneinander gestellt mit einem Abstand, so dass sich die Tiere riechen, sehen und miteinander kommunizieren, jedoch erst einmal keinerlei körperlichen Kontakt zueinander aufbauen können. Der Abstand ist individuell zu wählen: sind die Chinchillas zueinander aggressiv, schiebt man den Käfig mehr auseinander, sind sie friedlich, verkleinert man ihn. Der Raum sollte neutral gewählt werden, damit keines der Chins den Heimvorteil hat, auch sollten es die Käfige sein (keinen Hauptkäfig benutzen). Diese Phase/ Methode kann mehrere Tage bis Wochen dauern je nachdem, wann die Kleinen ein positives Verhalten zeigen un durch das Gitter miteinander Kontakt aufnehmen (Putzen, Kuscheln etc.).

Käfig-in-Käfig-Methode «nicht empfehlenswert»

Man stellt eines der Tiere (meistens das Neue) in einem kleinen Käfig in den Käfig des Chinchillas, mit welchem es vergesellschaftet werden soll. Mindestens von zwei, besser von drei Seiten soll das Chin, z.B. indem man es in eine Ecke plaziert, abgestottet sein und sich zurückziehen können. Probleme und Nachteile: Es werden unnötig Aggressionen, Ängste und Panik zwischen den Tieren aufgebaut, weil diese nicht zueinander können, um sich kennenzulernen und die Rangordnung zu klären. Zudem dringt das Neue in das Territorium des Alteingesessenen ein und wird sich von diesen ständig - zu Recht - bedroht fühlen, es ist also die ganze Zeit einem extremen Stress ausgesetzt; nicht anders ergeht es dem Hausherrn. Abgebissene Pfötchen, Wunden an der Nasen und Lippe sind die Folgen, aber eben auch seelische Traumata. Erst wenn sich die Tiere durch das Gitter nicht bekriegen, kann eine Zusammenführung auf neutralem Gebiet z.B. einem Meerschweinekäfig versucht werden bis die Chins schließlich in den Hauptkäfig ziehen.

Käfigtausch-Methode

Man tauscht jede Woche, jede paar Tage oder täglich die Käfige der Chinchillas: Chin A zieht in den Käfig von Chin B und umgekehrt. Optional können auch nur die Sandbäder täglich getauscht werden. Der Käfig- und Sandbadtausch hat das Ziel, dass die Tiere den Geruch des Anderen kennenlernen und dieser ihnen dadurch bei der eigentlichen Vergesellschaftung nicht mehr so fremd vorkommt. Der Käfigtausch ist immer mit Stress verbunden, es ist daher vorteilhaft anfänglich nur das Sandbad zu tauschen z.B. täglich und das eine Woche lang. Anschließend kann man den Käfig tauschen.

Meerschweinchenkäfig-Methode

Hier treffen die Tiere in einem ca. 100 cm breiten Nagerkäfig aufeinander. Futter, Wasser und ein frisches Sandbad warten auf die Chins bereits drin im Käfig. Je nach Charakter - besonders empfehlenswert bei verhaltensauffälligen, z.B. aggressiven oder ängstlichen Tieren, sollte auch ein Haus, in das alle Tiere reinpassen, oder anderes Versteck mit je 2 (!) Ein- bzw. Ausgängen nicht fehlen. Die Chins sollten in dem Käfig mindestens 2-3 Tage bleiben ehe man sie versucht in den gereinigten Hauptkäfig umziehen zu lassen. Getrennt wird, wenn gebissen wird, oder wenn ein Tier Erschöpfungszustände zeigt, immer panischer wird oder sich die Situation statt zu klären immer mehr aufpuscht.

Panikbox-Methode «nicht empfehlenswert»

Die Chins werden in eine möglicht kleine Transportbox gesteckt, wo sie sich nicht jagen und aufrichten (Besteigen, Pipiduschen etc. sind unmöglich) können. Dort bleiben sie mehrere Stunden bis einen Tag drin. Manche fahren mit ihren Chins in dieser Transportbox zusätzlich Auto oder stellen sie auf die Waschmaschine während des Schleuderganges, um die Chins in noch mehr Stress zu versetzen. Diese Methode unterdrückt in der VG-Phase die meisten sozialen Verhaltensweisen, die Rangordung kann nicht geklärt werden, die Chins verbünden sich aufgrund von Angst und Stress miteinander und vor allem, weil sie keine andere wahl haben. Anschließend ziehen die Tiere für mindestens 2 Tage in einen möglichst nicht zu großen neutralen Käfig, bis das Hauptgehege bezogen werden kann. Bei Paaren und Gruppen, die man mit Hilfe dieser Methode vergesellschaftet, können früher oder später leicht zerbrechen! Das liegt daran, dass es sich hierbei um eine absolute Zwangszusammenführung handelt: egal ob sich die Chins mögen oder nicht, in der Transportbox müssen sie sich miteinander arrangieren: sie haben ja keine andere Wahl. Diese "Pseudo-Vergesellschaftungsart" ist pure Tierquälerei und unbedingt abzulehnen. Sie kann Tiere traumatisieren und nimmt den involvierten Chinchillas Vertrauen gegenüber Artgenossen und dem Halter.

Schnuppertest

Beide zu vergesellschaftenden Chinchillas werden von je einer Person auf den Arm genommen. Nun soll es zwischen den Tieren, während sie sich sicher auf dem Arm befinden, zum ersten Kontakt kommen, sie sollen sich im Gesicht/ Näschen/ Mund beschnuppern. Dann guckt man genau, was dabei passiert. Es gibt Chins die fauchen sich da sofort an oder beißen gar zu, andere werden aufgeregt und wedeln mit dem Schwanz, sie machen Laute, fangen sich sogar an zu putzen und noch andere machen rein gar nichts. Zeigen sich hier keine Aggressionen, ist dies eine gute Ausgangsbasis für eine Vergesellschaftung. Geht dieser Test schief und zeigen sich Aversionen, so sollten gerade Anfänger überlegen, ob sie an der Stelle nicht lieber einen anderen, passenderen Partner suchen möchten und auf eine weitere VG-Phase verzichten. Etwas Anderes ist es jedoch bei verhaltensgestörten und traumatisierten Chinchillas, bei denen der Schnuppertest negativ ausfallen kann, obwohl die Tiere sich dennoch vergesellschaften lassen und später eine dauerhafte und glückliche Lebensgemeinschaft bilden können. Es ist nämlich nochmal ein Unterschied, ob die Tiere wirklich zusammenpassen oder ob sie lediglich eine Zweckgemeinschaft bilden, die leicht fragil ist und so weitere Probleme mit sich bringt. Bei Anfängern sollte der Schnuppertest daher als Richtlinie dienen oder aber man holt sich erfahrende Vergesellschaftungs-Hilfe. Mehr Infos unter chinchilla-international.webs.com/schnueffeltest.htm & http://www.chin-citta.com/gesellschaft.htm#138376897

Transportbox-Methode

Die Chinchillas werden in eine größere Transportbox (z.B. Katzenbox) zusammengesetzt, in der sich ein Sandbad befindet (wichtig zum Stressabbau und ein beliebter gemeinsamer "Treffort"). Die Box sollte groß genug sein, dass sich die Tiere dort bewegen können und das Futter und Sandbad reinpassen. Je nach individueller Entwicklung bleiben die Chinchillas in der Box eine oder mehrere Stunden lang bis maximal 24h lang. Getrennt wird, wenn gebissen wird, oder wenn ein Tier Erschöpfungszustände zeigt, immer panischer wird oder sich die Situation statt zu klären immer mehr aufpuscht.