Kalzium und Kalziummangel

Symptome eines Kalziummangels

  • Skeletterkrankungen: Knochen- sowie Zahn- und Kieferprobleme (Erklärung siehe unter „Fakten zu und Aufgaben von Kalzium“)
  • Hautprobleme: trockener Haut, Ekzembildung, Fellausfall
  • Herzprobleme
  • Krampfanfälle
  • Bauchschmerzen und Durchfälle
  • erhöhter Harndrang
  • Bewegungsstörungen
  • Verkalkungen in den Augenlinsen (tetanische Katarakt) → Augenlistentrübung, Schwächung des Sehvermögens
  • Atemnot

 

Ursachen

  • eine mangelhafte Ernährung
  • vermehrter Kalziumverbrauch bzw. ein erhöhter Kalziumbedarf (Trächtigkeit, Wachstum etc.)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Magen-Darm-Trakt-Erkrankungen, wodurch das Kalzium aus der Nahrung nicht richtig aufgenommen werden kann
  • Niereninsuffizienz
  • Bauchspeicheldrüseentzündungen
  • langdauernder Einnahme von Medikamenten
  • Vitamin D-Mangel


Problem der kalziumreduzierten oder zu kalziumarmen Fütterung

Einleitung:

Leider empfehlen viele Tierärzte und sonstige Personen eine kalziumreduzierte Ernährung bei Chinchillas und anderen Nagern und Kaninchen, die zu Blasenschlamm und Steinen in ableitenden Organen neigen. Dies ist jedoch der falsche Weg (richtig ist es Frischfutter ad libitum anzubieten und Fertigfutter wegzulassen), denn gerade diese Tierarten sind auf eine sehr hohe Kalziumzufuhr durch Futter angewiesen um dauerhaft gesund zu bleiben. Und: Zu wenig Kalzium führt sogar zu neuer Steinbildung. Die Erklärungen folgen nun.

Erklärung:

Autor: L. Schuler und A. Jakubiak

Fakten zu und Aufgaben von Kalzium:

Der Körper benötigt täglich genügend Kalzium und zwar mindestens so viel, wie er täglich über die Nieren und die Haut verliert. Das Ziel des Organismus ist es, die Kalziumkonzentration möglichst konstant zu halten.

Kalzium ist enorm wichtig für Nagetiere und Kaninchen, vor allem bei den ständig nachwachsenden Zähnen. Das Mineral ist nämlich für den Zahn-, Kiefer- und Knochenaufbau zuständig (ca. 99% des Kalzium befindet sich in den Knochen und Zähnen).

Beim Kalziummangel wird das Kalzium aus dem Skelett gelöst, das sog. Entkalken der Knochen, um den Kalziumspiegel im Blut konstant zu halten, wodurch das Skelett (Knochen, Kiefer und Zähne) weich und biegsam werden. Die Verletzungsgefahr durch banale Dinge wie Heuknabbern (Abzessbildung) oder ein Sturz aus für gesunde Tiere ungefährlicher Höhe und daraus folgender Zahn- oder Knochenbruch wird größer!

Außerdem spielt Kalzium für die Muskelarbeit, Blutgerinnung, Aktivierung gewisser Enzyme und Hormone, Funktion von Nervenzellen und den Herzrhythmus eine wichtige Rolle.

Insbesondere bei trächtigen oder säugenden Weibchen und älteren Tieren kann ein Kalziummangel auftreten.


Relevanz von Flüssigkeit in der Nahrung:

Wenn Frischfutter weggelassen oder in einer zu kleinen Menge verfüttert wird, produziert das Tier aufgrund der geringeren Flüssigkeitsaufnahme weniger Harn. Weniger Harn bedeuted aber auch weniger Ausschwemmung von überschüssigen Mineralien wie Kalzium. Außerdem liegt Kalzium bei wenig Harn natürlich viel konzentrierter vor.

Untersuchungen haben gezeigt, dass durch Frischfuttergabe die Gesamtwasseraufnahme erhöht wird. Das heißt ein Chinchilla, Kaninchen oder Meerschweinchen kann seinen Flüssigkeitsbedarf nicht einzig durch das Trinken kompensieren. Folge: Es nimmt stetig zu wenig Wasser zu sich.

Beides Faktoren, die die Entstehung von Blasenschlamm und Steinbildung fördern.


Zu wenig Kalzium fördert sogar Steine:

Weiterer Grund, warum Kalzium nicht weggelassen oder drastisch reduziert werden sollte, ist, dass Kalzium steinbildendes Oxalat bindet. Wenn zu wenig Kalzium im Darm vorhanden ist, wird die Oxalsäure dort nicht abgefangen, so dass sie ins Blut und in den Urin gelangt. Andersherum bindet und neutralisiert die Oxalsäure in Futtermitteln das Kalzium. Die Oxaläure ist also wichtig um ein zu viel an Kalzium auszuscheiden und andersherum verhindert Kalzium dass die Oxalsäure in den Urin kommt und dann zu Calciumoxalatsteinen führt. Oxalsäure und Kalzium haben wie beschrieben sehr wichtige Eigenschaften, sie beeinflussen sich wechselseitig und sollten daher nicht weggelassen werden.


Hier ein Beispiel aus der Humanmedizin:

Früher wurde auch bei bei uns Menschen geraten die Kalziumzufuhr bei Blasen- Nieren- steinen stark einzuschränken. Mittlerweile rät man jedoch vermehrt genügend Kalzium zu sich zu nehmen.

„Früher wurde empfohlen, die Kalziumzufuhr stark einzuschränken. Doch diese Empfehlung hat sich als völlig falsch erwiesen. Es ist wichtig, dass die Mahlzeiten ausreichend Milchprodukte enthalten, z.B. 100 g Hartkäse oder 200 g Weichkäse oder 3 dl Joghurt pro Tag. Auch kann man die Oxalsäurebelastung eines Spinatgerichtes reduzieren, wenn es zusammen mit Käse gegessen wird. Wenn zu wenig Kalzium im Darm vorhanden ist, wird die Oxalsäure dort nicht abgefangen, so dass sie ins Blut und in den Urin gelangt. Oxalsäure wirkt besonders stark steinbildend.“ 
Quelle: 
home.datacomm.ch/mbechtel/


Fazit:

Daraus folgen diese Empfehlungen für die Ernährung des Nagetieres und Kaninchens:

  • Pellets und jedes andere Fertigfutterprodukt werden weglassen. Die Gründe dafür sind, dass Pellets & Co. chemisch synthetisiertes Vitamin D enthalten, welches die Kalziumaufnahme anregt und bei Überdosierung zur Steinbildung führt. Das für den Kalziumhaushalt wichtige Vitamin D wird überwiegend vom Körper mit Hilfe von Sonnenlicht selber hergestellt. Zudem enthalten Pellets chemisch synthetisiertes Vitamin C, was calciumoxalhaltige Steine begünstigt - Interessant zu wissen ist dass eine Überdosierung mit Vitamin C durch natürliche Futtermittel nicht möglich ist, ganz im Gegensatz zu chemisch Hergestellten. Des Weiteren entziehen Pellets dem Körper zusätzlich Wasser, weil sie furztrocken sind und dazu im Magen noch aufquellen (Zum Aufquellen brauchen sie natürlich Wasser)
  • Frischfutter wird in unbegrenzter Menge angeboten (natürlich nach langsamer Eingewöhnung)
  • Es wird abwechslungsreich gefüttert.
  • Eine kalziumreduzierte Fütterung wird nicht angestrebt, denn sie kann zu weiteren Steinen oder Schlamm führen und andere schwerwiegende Erkrankungen auslösen.

Auf diese Weise bietet man dem Tier die Möglichkeit die Pflanzenstoffe richtig bzw. bedarfsgemäß miteinander zu kombinieren (= Selektion); u.a. das ideale Kalzium-Phosphor-Verhältnis herzustellen.

Weiterführendes