Herzerkrankungen

Symptome

  • fehlende körperliche Ausdauer, schnelles und häufigeres Erschöpft-Sein z.B. beim/nach dem Auslauf
  • Tier stützt sich häufig ab
  • Tier legt sich häufig hin
  • Verhaltensauffälligkeiten wie unerklärbare Aggression gegenüber dem Halter oder/ und Partnertier(en), Rückzug/ Apathie oder kurzzeitige Hyperaktivität, oft sich abwechselnde Phasen zwischen all den Verhaltensweisen
  • Atemnot, schnellere oder zu langsame Atmenfrequenz, Flankenatmung
  • bei beigen und weißen Chins färben sich die Öhrchen oft rot
  • fehlender Appetit, Gewichtsabnahme, geringes Gewicht
  • bei Jungtieren Wachstumsstörungen
  • Krämpfe
  • akute oder chronische Aufgasungen


Ursachen

  • angeboren, vererbt
  • altersbedingt
  • Entzündung & Schädigung des Herzmuskels aufgrund einer anderen verschleppten, nicht behandelten Erkrankung (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, bakterielle/virale Atemwegserkrankung)


Diagnose

  • meist kann der Herzfehler bereits durchs Abhören mit einem Stethoskop erkannt und auch lokalisiert werden, dann wird eine Diagnose gestellt: wo liegt genau der Herzfehler? Handelt es sich um eine Herzinsuffizienz (wenn ja ist dies eine Links-, Rechts- oder Globalinsuffizienz?), Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen, zu großes Herz etc.?
  • gegebenenfalls wird das Tier geröntgt und am Ultraschall untersucht, z.B. kann ein zu großes Herz auf dem Röntgenbild erkannt werden


Therapie

  • zuerst sollte versucht werden mit nebenwirkungsfreien, bewährten, pflanzlichen Mitteln zu behandeln: Cardio Liquid, Cardio Komplex, Crataegus-(Weißdornextrakt)-Präparate
  • bringt dies nicht den gewünschen Erfolg existieren 3 Gruppen an chemischen Herzmedikamenten: DUIRETIKA, ACE-HEMMER und HERZGLYKOSIDE (Digitalispräparate)
  • wichtig: "Kann keine echokardiographische Untersuchung durchgeführt werden, so dürfen niemals auf verdacht hin Digitalispräparate appliziert werden. In solchen Fällen ist dem Einsatz von ACE-Hemmern der Vorzug zu geben." (Ewringmann)
  • Je genauer der Herzfehler beschrieben werden kann, desto besser kann man die Therapie und die Medikamente darauf abstimmen.
  • je nach Diagnose ist unter Umständen eine Antibiotikatherapie notwenig


weitere Tipps und Infos

  • unterstützende Heilpflanzen: Liste hier unter Herzerkrankungen: www.chinchillaratgeber.com/t34-welche-pflanzen-helfen-bei-welchen-krankheiten-symptomen
  • aktuell werden meine beiden Herzpatienten (1) 1x zu großes Herz inkl. zu langsamen Herzschlag; 2) 1x Herzklappenfehler) mit 1) Cardio Kompex + ägyp. Schwarzkümmelöl-Kuren sowie 2) Cardio liqid + Q10 als Kur behandelt, was sehr gut hilft
  • Catosal kann ebenfalls unterstützend helfen
  • hohe Luftfeuchtigkeit meiden
  • hohe Temperaturen meiden, unbedingt Kühlmöglichkeiten anbieten oder bei Notwendigkeiten eine Klimaanlage
  • Stress in Form von Jagen beim Einfangen, Vergesellschaftungen, etc. minimieren
  • Narkosen sind bei Herzpatienten gefährlicher als bei gesunden Chinchillas
  • Herzerkrankungen kommen bei Chins v.a. bei Notfalltieren aus unkontrollierter Vermehrung oder Inzucht relativ häufig vor
  • Zuchtlinien, in denen herzkranke Tiere vorkamen, dürfen nicht in die Zucht eingesetzt werden!
  • Tipp aus dem Forum: http://www.chinchillaschutzforum.com/t3904-typische-krankheiten-beim-chinchilla-literatur-vs-foren

Herzerkrankungen in der Literatur

von Puchala, B.

Ein kurzer Exkurs in die deutsche Med-Chinchilla-Vet-Literatur in Bezug auf Herzerkrankungen:

Kraft 94 spricht davon, dass Herzschäden beim Chinchilla nicht zu diagnostizieren sind und man sich auf eine empirische Behandlung verlegen müsse. Schweigart 95 meint, dass aufgrund des seltenen Vorkommens keine Untersuchungen zu den Ursachen von Herzfehlern beim Chinchilla vorliegen und sie ferner sehr selten zu diagnostizieren wären.

Selbst Fehr 04 meint in der TÄ-Bibel "Krankheiten der Heimtiere", dass für Herzerkrankungen bei Chinchillas keine gesicherten Untersuchungen vorliegen und die klinischen Erfahrungen darauf hinweisen, dass solche Erkrankungen äußerst selten vorkommen bzw. noch seltener entdeckt werden.

In ihrem neuen Buch "Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu" vertreten nun Ewringmann und Glöckner eine völlig gegensätzliche Position.
Laut ihrer Aussage kommen Herzerkrankungen bei Chinchillas häufig vor.
Prizipiell handelt es sich um ähnliche Veränderungen wie bei Hund und Katze.
Beim Chinchilla "scheinen ... dilative Formen der Kardiomyopathie zu überwiegen... Herzerkrankungen kommen bereits bei Jungtieren vor, so dass ... von kongenitalen Veränderungen ausgegangen werden muß..."

Ewringmann & Glöckner geben bereits detaillierte Hinweise zur Diagnose und Medikamenten-Therapie.

In der englischen Literatur berichtet zumindest Richardson 03 davon, dass Herzgeräusche oft schon bei Jungtieren zu diagnostizieren sind und vermutet, dass Herzerkrankungen ein Grund für plötzlichen "Chinchilla-Kindstot" sein können.

Im Rahmen von "Echocardiography in the Chinchilla" wurden drei von zwanzig Tieren aufgrund festgestellter Herzgeräusche von der Studie ausgeschlossen.


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Literatur:

- Krankheiten der Chinchillas / Helmut Kraft, 5., überarb. Aufl., Enke, 1994
- Chinchilla - Heimtier und Patient / Guido Schweigart, G. Fischer, 1995
- Krankheiten der Heimtiere / Michael Fehr u. a. Schlütersche, 2004
- Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu - Diagnostischer Leitfaden und Therapie / Anja Ewringmann; Barbara Glöckner, Enke, 2005
- Diseases of small domestic rodents / V. C. G. Richardson, 2. ed., Blackwell, 2003
- Echocardiography in the Chinchilla / A. Linde, N.J. Summerfield, M. Johnston et al. 2004