Frischfutter, Saftfutter & Grünfutter

In den 50/60ern kam die kommerzielle Chinchillafütterung mit reinem Trockenfutter v.a. Pellets in Mode. Dadurch geriet Frischfutter immer mehr in den Hintergrund bis man davor sogar warnte und es regelrecht verteufelte, wovon natürlich insbesondere die Fertigfutterhersteller profitierten. Doch seit einigen Jahren (inzwischen in Deutschland sogar über zehn) erlebt Frischfutter glücklicherweise eine Renaissance. An dieser Stelle soll gezeigt werden, warum dieses für unsere Tiere so wertvoll ist.

Vorteile von Frischfutter

  • genügend Wasserzufuhr (Chinchillas und andere Nager sind von Natur aus nicht an viel trinken angepasst, sie beziehen in der Natur ihren Flüssigkeitsbedarf überwiegend über Frischfutter - auch Chinchillas! Weiterführende Link-Tipps dazu:

- www.chinchillavermittlung.com/t1642-wolf-et-al-zur-wasseraufnahme-bei-kleinsaugern

- www.chinchillavermittlung.com/t4487-schwabe-k-futter-und-wasseraufnahme-von-heimtieren-verschiedener-spezies-kaninchen-meerschweinchen-chinchilla-hamster-bei-unterschiedlicher-art-des-wasserangebotes-tranke-vs-saftfutter

- http://www.chinchilla-scientia.de/index.php?id=trinken

 

  • super geeignet für säugende Muttis, da es die Milchproduktion fördert; wenn das Muttertier Frisches nicht bereits vor der Säugung kennt und verträgt, bitte sie besonders langsam an das Frische gewöhnen
  • karge Kost im Vergleich zu ihren trockenen Pendants, die immer gehaltvoller sind (Vorteile: größere Nahrungsaufnahme möglich, Folge: mehr Zahnabrieb, mehr Beschäftigung und somit mehr seelisches Wohl)
  • Abwechslung wie in der Natur (je nach Alter, Saison und Wetter sind die chilenischen Pflanzen wasserreich bis vertrocknet; Sukkulenten sind jedoch immer sehr wasserreich und das ganze Jahr als Futter verfügbar; in den früheren Verbreitungsgebiet wachsen noch viel mehr verschiedene Frischfuttersorten)
  • Frischfutter unterscheidet sich von seinem trockenem Gegenstück lediglich durch den höheren Wassergehalt und Wasser ist nicht schädlich, im Gegenteil es reinigt die Blase und andere Organe von Ablagerungen wie z.B. Kalzium, wasserlösliche Vitamine können zudem besser verwertet werden etc.
  • die Tiere nehmen mehr Vitamine und andere Nährstoffe auf, die beim Trocknungsprozess der Futterpflanzen partiell verloren gehen
  • mit Frischfutter gibt es lange Erfahrungswerte, da Frisches vor dem Einführen der Pellets durch die Industrie ein fester und wichtiger Speiseplanbestandteil war
  • Chinchillas sind von Natur aus robust und vertragen Frischfutter und generell abwechslungsreiches Futter problemlos wie es bereits erste Züchter feststellten:

In freier Wildbahn hat das Tier die Möglichkeit, sich heute dies, ein andernmal jenes Kräutlein, nach dem ihm im Augenblick gelüstet, zu suchen und zu fressen. [...] weil gerade auf kargen Gebirgsböden sehr viele Kräuter mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen und anderen, für den Stoffwechsel äusserst bekömmlichen Inhaltsstoffen vorkommt, glaubten wir annehmen zu können,dass die Flora der Chinchillaheimat darin keine Ausnahme war. So kam es zu der Beimischung verschiedenster Heilkräuter. Aus dem ganzen Reservoir der aus der alten Volksmedizin und der Pharmazie bekannten und erhältlichen Kräuter wurden kleine Proben den Tieren vorgelegt und die am liebsten angenommenen entsprechend ihrer Wirksamkeit auf Körper und Organe in bestimmter Menge pulverisiert dem Futter beigemischt.
- Wolf, Johannes: Chinchillazüchterpraktikum, 1961

Die Chinchilla ist ein hartes Tier. Es kann kein besseres Merkmal für ihre Widerstandsfähigkeit geben als ihre Fähigkeit, bei den verschiedensten Futterkombinationen leben zu können. Dadurch ist die Fütterung nicht nur leicht, sondern auch sehr interessant. Es läßt sich keine allgemein gültige Regel aufstellen. Es können hier nur die Tatsachen festgestellt und Ratschläge erteilt werden, die sich aus langer Pionierarbeit ergeben haben. Jeder Züchter muß seinen eigenen Futterplan zusammenstellen unter Beachtung der naturgegebenen Bedingungen im Tiere. Tägliche Beobachtung des Kotes ist unerläßlich, um durch entsprechende Fütterung zu regulieren, falls er zu dünn oder zu hart ist.
    [...]
    Im Sommer gebe man blühenden Klee und Löwenzahn, wie auch alle Arten nicht giftiger Unkräuter. Im Winter wird das Grünfutter ersetzt durch Weizenkeime, getrocknete Früchte (Äpfel, Birnen)...
    Zur Erhöhung der Vitamine gebe man im Winter dreimal wöchentlich jedem Tier eine Schnitte einer Orange oder einer Pampelmuse. Man sorge auch für Abwechslung in der Beifütterung und halte die Tiere bei gutem Appetit. Für den Züchter ist das wesentlichste die Liebe zu den Tieren, das Sichhineinleben in ihre Wesensart. Dann wird er von selbst erkennen, was seinen Tieren not tut und ihnen förderlich ist.
    [...]
    Man bedenke, daß Abwechslung nötig ist und beobachte täglich das Wesen der Tiere und insbesondere ihre Losung. Diese muß länglich und dick sein, licht bis dunkelbraun, an den Enden nicht spitz, in der Größe so, daß sie gerade noch durch das vorgeschriebene Bodengitter durchfällt.
    Ist die Losung zu hart, so fehlen Grünfutter oder im Winter Früchte; ist die Losung weich, so füttere man einige Tage nur Heu und kein Grünfutter bzw. keine Früchte...

- Zettl, Josef: Die Chinchilla, 1957

mögliche Probleme

  • Chins mit sehr sensiblem oder defektem Verdauungstrakt (durch eine jahrelange Ernährung hauptsächlich mit Fertigfutter oder nach der gabe von chemischen Medikamenten wie Antiparasitika oder Antibiotika) können Durchfall oder eine Aufblähung bekommen - v.a. bei Kohl, Klee, Luzerne
  • Chins, die eine zu große Menge an Frischfutter auf einmal zu sich nehmen, weil sie das Futter noch nicht kennen und sich gierig darauf stürzen oder weil sie zuvor sehr einseitig ernährt wurden, können eine Aufgasung oder Durchfall bekommen
  • Chins, die einseitig ernährt werden, könnten Durchfall oder eine Aufgasung bekommen - v.a. bei Kohl, Klee, Luzerne
  • Chins, die zeitgleich mit Pellets ernährt werden, vertragen Frischfutter v.a. potenziell Blähendes wie z.B. Klee oder Kohl manchmal schlechter, da sich Pellets lange im Verdauungstrakt aufhalten und es so zu Fehlgärung kommen kann
  • manches Gemüse und Obst wird frisch nicht gefressen oder ist problematisch bis unverträglich, aber getrocknet ein geeignetes Beifutter

wichtige Hinweise

  • Chinchillas müssen immer zusätzlich auch getrocknete Futtermittel zur Verfügung haben (Heu, Stroh, Kräuter, Blüten, Blätter und als Kraftfutter auch Saaten oder/und Pellets) – eine reine Frischfutterernährung ist bei Chinchillas nicht artgerecht!
  • viele Chinchillas sind gegenüber Frischfutter zuerst skeptisch und es kann mithin bis zu mehrere Monate dauern bis sie dieses probieren und Gefallen an ihm finden, einfach täglich zusätzlich zur restlichen Fütterung anbieten und Geduld haben
  • Grünfutter und Blattgemüse, welches zum Grünfutter zählt, ist nach Möglichkeit Früchten und Gemüse immer vorzuziehen; letztere sind nur eine gesunde Ergänzung
  • Chinchillas sollten langsam ans Frischfutter gewöhnt werden, zum Einstieg eignen sich z.B. Golliwoog, Chicoree, Obstzweige, Disteln, Apfel, Gras oder Löwenzahn; meis vertragen die Chins die Einführung von Frischem jedoch auch rasch völlig problemlos, sodass man keineswegs Angst haben muss!
  • auch bei Chinchilals gilt: die Geschmäcker sind verschieden, somit gelten unten aufgeführte Richtlinie nicht für alle Tiere

Beliebte frische Früchte und Gemüse

  • Apfel
  • Birne
  • Banane
  • Trauben
  • Blumenkohl (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)
  • Brokkoli (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)
  • Kohlrabiblätter (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)
  • Möhre mit Kraut
  • Chicoree
  • andere Salatsorten (z.B. Miniromana/Salatherzen, Radicchio, Rucola)

beliebtes Grünfutter

  • Löwenzahn samt Blüte
  • Zweige aller geeigneter Bäume und Sträucher samt Blatt, Knospen und Blüte (z.B Apfel, Aprikose, Weide, Kirsche, Bambus...)
  • Alle Süßgräser samt Blüte
  • Alle Distelsorten samt Blüte
  • Andere Wiesenkräuter (Ampfer, Klee, Gänseblume, Spitz-/Breitwegerich, Luzerne, Schafgarbe, Berufkraut, Wicke, Zaunwinde, Topinambur, Sonnenblume...)
  • Callisia repens/ „Golliwoog“ und andere Kalisien
  • Basilikum
  • Möhrengrün
  • Chikoree und andere Salatsorten
  • Kohlrabiblätter (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)

TIPP: Bilder aus dem Chinchilla-Reservat in Chile und den dortigen Futterpflanzen: www.chinchillavermittlung.com/t1628-fb-bilder-des-reserva-nacional-las-chinchillas-wildchinchillas-co-einer-privatperson