Infos zur Futtermenge bei Breiernährung

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In Folgendem ein paar Gedanken zur Zwangsernährung bestehend aus reinem Critical Care oder Pellet-Brei.

Ein Chinchilla benötigt in etwa 480 kJ / kg KM / Tag, um nicht an Gewicht zu verlieren (WOLF et al. 2001). 
Laut Hersteller hat Critical Care einen Brennwert von 2.69 kcal/g (11.26 kJ/g). 
Daraus folgt, dass ein 500g Tier einen Energiebedarf von 240 kJ / Tag hat, den es mit 21.32g Critical Care decken könnte. 
Die Empfehlung zur Zubereitung von Critical Care lautet: Mischen Sie 1 Volumenteil Pulver ... mit 1.5 Volumenteilen warmen Wasser... (Albrecht - Produktinformation). 
Ein Volumenteil Pulver (also ein Milliliter) entspricht nun aber nicht einem Gramm. Das Verhältnis Gewicht zu Volumen Beträgt in etwa (g:ml) 1:1.5. 
Daraus folgt, dass die 21.32g Critical Care in etwa 31.98ml entsprechen. 
Diese ergeben eine Breimenge bei einem Mischungsverhältnis von 1:1.5 von 79.95ml mit einem Brennwert von 240kJ. 

Für Tiere mit einem anderen Gewicht müssen entsprechende Rechnungen aufgestellt werden.

Außerdem ist zu beachten, dass kranke und rekonvaleszente Tiere einen erhöhten Energiebedarf haben. Manche Autoren beziffern ihn mit einem Faktor von 2-2.5. Dies entspräche einem Breivolumen von über 160ml für ein 500g schweres Tier. Dass diese Menge für das Tier unproblematisch wäre, ist zu bezweifeln.

Es ist ein Trugschluß zu glauben, dass sich die Brennwerte von Critical Care und unseren Futterpellets signifikant unterscheiden. Wie verschiedene Futtermittelanalysen im Rahmen von Dissertationen zeigen, können Futterpellets sogar einen höheren Energiegehalt aufweisen (SCHRÖDER 2000, WENGER 1997).
Deshalb dürften sich die Unterschiede in der erforderlichen Breimenge bei einem äquivalenten Mischungsverhältnis Pellet-Pulver:Wasser im Bereich von +/- 5ml bewegen und sich nicht um einen Faktor der Größenordnung ´2´ unterscheiden. 

Chinchillas nehmen Nahrung normalerweise hauptsächlich in den Dunkelstunden bzw. zwischen 19:00 Uhr und 7:00 Uhr auf, mit einem Spitzenwert zwischen 21:00-23:00 Uhr (SCHRÖDER 2000, WENGER 1997).
Außerhalb dieser Zeitspanne aufgenommene Nahrung verbleibt ca. doppelt so lange im Magen-Darmtrakt (BREM 1982), wodurch Fehlgärungen bzw. vermehrte Ansammlungen von Gasen entstehen können und die physiologische Darmflora gestört wird (EWRINGMANN & GLÖCKNER 2005). 
Unter Beachtung dieser Aspekte sollte eine Brei-/Zwangsfütterung in dem Zeitraum stattfinden, in dem die gesunden Tiere ebenfalls Nahrung zu sich nehmen würden. Dies empfehlen auch EWRINGMANN & GLÖCKNER. 

Zur Fütterungsmenge werden in der neusten Literatur (EWRINGMANN & GLÖCKNER) folgende Angaben gemacht: mind. 50-80ml/kg/d, verteilt auf 6-8 Portionen. Dies entspricht ca. 6-13ml/kg/d pro Gabe. 

Über das Magenvolumen bei Chinchillas gibt es wenige Angaben. BREM zitiert BICKEL mit 60cm³. Auch FEHR macht diese Angabe (diese Quelle noch nicht überprüft).
Der Wert erscheint hoch und es fehlt eine Relation zum Körpergewicht. Auch die Art der Messung bleibt unerwähnt (BREM). So könnte es sich zB um das maximale Volumen exenterierter Mägen handeln. 
Schaut man sich Röntgenaufnahmen oder Fotos von Chinchillamägen an, könnte auch ein ähnliches Volumen wie beim Meerschweinchen in Frage kommen. Dieses liegt laut ROSENGARTEN bei 6,7 ± 1,27 ml/100 g KM. 
Laut ROSENGARTEN sollten 20ml pro Applikation (Sonde) bei den Meerschweinchen nicht überschritten werden, da sonst die Gefahr einer Magenüberladung / -ruptur besteht. 
Ferner besteht bei der Verabreichung größerer Volumina die Gefahr, dass durch den Druck des Magens auf das Zwerchfell Herz-Kreislauf- und Lungenfunktionen beeinträchtigt werden. Fraglich ob dies bei einem zwangsernährten Tier wünschenswert ist. 

Deshalb erscheint eine Fütterung von Brei in den Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden am sinnvollsten. Dabei sollte eine Menge deutlich unter 20ml, zB 8ml +/- 2ml, pro Sitzung gegeben werden.



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Literatur

  • Wolf, R; Schröder, A.; Wenger, A.; Kamphues, J. (2001): The nutrition of the chinchilla as a companion animal. Data, influences and dependences.
  • Schröder, Alexandra (2000): Vergleichende Untersuchungen zur Futteraufnahme von Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla bei Angebot unterschiedlich konfektionierter Einzel- und Mischfuttermittel.
  • Wenger, Anita K. (1997): Vergleichende Untersuchungen zur Aufnahme und Verdaulichkeit verschiedener rohfaserreicher Rationen und Futtermittel bei Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla.
  • Ewringmann, A; Glöckner, G. (2005): Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu.
  • Brem, Manfred (1982): [/sup]Untersuchungen über Erkrankungen des Magen-Darmkanals beim Chinchilla.
  • Fehr, M. (2004): Krankheiten der Heimtiere.
  • Rosengarten, A. (2004): Untersuchungen zur kurzfristigen Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen über eine orogastrale Sonde bei Variation der Zusammensetzung (Komponenten, Nährstoffgehalt und Energiedichte) des applizierten Futters.