Ernährung der Wildchinchillas

Eindrücke direkt aus dem Reservat

= aktuelles (Haupt-)Habitat

Noch mehr Bilder aus dem Lebensraum der Wildchinchillas unter www.chinchillavermittlung.com/t1628-fb-bilder-des-reserva-nacional-las-chinchillas-wildchinchillas-co-einer-privatperson

Autoren: D. Jünemann und A. Jakubiak

Allgemeines zum Fressverhalten

Chinchillas ernähren sich in ihrer Heimat von einer Vielzahl an Pflanzen. Laut der Studie von A. Cortes et al. (2002) nutzen sie bewiesenermaßen mindestens über die Hälfte der in ihrem Gebiet wachsenden Flora als Nahrung. In erster Linie wird die Gramineen-Art Nasella chilensis (= Süßgras-Sorte) als Hauptfutter-Komponente genutzt. Weiteres anhand des Kots ermitteltes Pflanzenmaterial setzte sich aus Sukkulenten (d.h. flüssigkeitspeichernde Pflanzen), anderen Gräsern, diversen Sträuchern und krautigen Pflanzen sowie grob 1% Sämereien zusammen.

Die Untersuchung des Nahrungsverhaltens des Chinchillas zeigt, dass dieses nicht nur stark in den verschiedenen Jahreszeiten und Standorten, sondern ebenfalls in den einzelnen Jahren variiert. So zeigt sich, dass in Jahren mit hohem Niederschlagsanteil, Kräuter den Hauptteil der bevorzugten Nahrung ausmachen, gefolgt von Büschen und Sträuchern. In feuchten Jahren umfasst die Palette, der zur Verfügung stehenden Pflanzen, ca. 21 verschiedene Arten. In niederschlagsreicheren, milden Jahreszeit (Winter) ernähren sich Chinchillas von mehr Frischfutter im Gegensatz zu trockenem Sommer, in dem mehr Vertrocknetes und Saaten zu sich genommen werden.

Man kann mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass die Vielfalt der Pflanzen, die von den Chinchillas gefressen werden, weitaus größer ist als angenommen. Es muss beachtet werden, dass in der Studie von Cortes einige pflanzliche Fasern und anderes Pflanzenmaterial, das im Kot der wildlebenden Chinchillas gefunden wurde, nicht identifiziert werden konnte. Und: Die Studie bezog sich nur auf Wildchinchillas, die im nationalen Chinchilla-Reservat leben, welcher angelegt wurde um die Chinchillas vor der Ausrottung in freier Wildbahn zu schützen. Frühere ursprüngliche und andere aktuelle Habitate blieben in der Studie außer Betracht. Eine weitere Problematik findet man in der Struktur der Pflanzen: Während Früchte und Saaten fast vollständig verdaut werden können und so kaum mehr im Kot nachzuweisen sind, sind andere Pflanzenorgane durch ihren höheren unverdaulichen Fasergehalt im Kot überrepräsentiert. So erwähnt Serra (1979) eine Vorliebe der Wildchinchillas für Früchte, was in der Cortes-Kotstudie aufgrund der oben angesprochenen Schwierigkeit nicht bestätigt werden konnte.

Insgesamt gelten Chinchillas als Futtergeneralisten, da sie sich enorm gut an die vorhandene Flora bzw. das gegebene Futterangebot, anpassen können.

Die folgenden Untersuchungsergebnisse würden erklären, warum das Ernährungsverhalten stark von den Jahreszeiten abhängig ist.

Einige Pflanzen, die von freilebenden Chinchillas gefressen werden, wurden auf ihre Nährstoffe untersucht. So haben Heliotropium stenophyllum mit 19, 79 % der Trockenmasse, Flourensia thurifera 13,21 % und Bacharis linearis in den Herbstmonaten den höchsten Gehalt von Calcium und Phosphor. Bridgesia incisaefolia zeigt vom Herbst bis in den Frühling hinein die höchste Konzentration vom Calcium und Phospor. Den höchsten Proteingehalt wurde in der Cordia decandra und der Liagunoa glandulosa vom Frühjahr bis in den Herbst festgestellt. Ephedra andina und Cordia decandra zeigen im Frühjahr und im Herbst die höchsten Werte an Calcium. Lobelia polyphylla Hook et Am. und Flourensia thurifera erreichen im Herbst den höchsten Gehalt an Phosphor. S. incisaefolia und Lobelia polyphylla Hook et Am. erreichen 57,4 und 56,37% Pflanzenfasern bzw. bestimmte Säuren. Den höchsten Wert an Pflanzenfasern haben Nassella chilensis und Stipa plumosa. Ein Rückgang von Cellulose und Lignin (d.i. ein organischer Stoff der sich in der Zellwand einlagert und die Verholzung der Zelle bewirkt) wurde bei den meisten Arten im Frühjahr festgestellt.

Diese Schwankungen bestimmter Inhaltsstoffe könnten das Chinchilla mit dazu veranlassen, sich zu verschiedenen Jahreszeiten bevorzugt von den unterschiedlichsten Pflanzen zu ernähren, um ihren Bedarf an Nährstoffen zu decken.

 

sichere Futterpflanzen

Eine Auswahl an Pflanzen, die laut Studien (Cortes, Serra, Silva) sicher als Nahrungsmittel des Chinchillas dienen. Durch Anklicken gelangt man zu Bildern der jeweiligen Pflanze.

Vielen Dank an www.chileflora.com für das Zur-Verfügung-Stellen der Bilder.


Llagunoa glandulosa - Strauch mit großen, runden Früchten:

weitere mögliche Futterpflanzen

Im Gebiet des „Chinchilla National Reservat“ wachsen nicht nur Pflanzen, die in den beiden Studien dokumentiert wurden, sondern noch einige mehr. Somit kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass sich wildlebende Chinchillas von der ein oder anderen im Folgendem aufgeführten Pflanze ernähren. Da Chinchillas Futtergeneralisten sind, muss man sogar davon ausgehen, dass viele dieser Pflanzen den Tieren als Nahrung dienen:

  • Proustia cinerea
  • Caesalpinea angulicaulis
  • Tropaeolum violaeflorum
  • Viola asterias
  • Tropaeclum azureum
  • Plantago tumida
  • Solanum tomatillo
  • Tropaeclum tricolor
  • Pasithaea coerulea
  • Hordeum murinum
  • Chuquiraga acicularis
  • Sisyrinchium junceum
  • Guitierrezia paniculata
  • Cassia coquimbensis
  • Cestrum parqui
  • Krameria cistoidea
  • Galium chilense
  • Oenothera dentata